Kurz gesagt
Kryptowerte zählen im Zugewinn mit dem Kurs am Tag, an dem der Scheidungsantrag zugestellt wird. Was danach mit dem Kurs geschieht, trägt allein die Seite, der die Coins gehören. Nach mehr als einem Jahr Haltedauer fällt nach geltendem Recht keine latente Steuer an. Verborgene Wallets lassen sich über Auskunft und Belege aufspüren.
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Gehören Kryptowerte in den Zugewinnausgleich?
Ja, Kryptowerte gehören dazu. Im Zugewinnausgleich zählt das gesamte Vermögen jedes Ehegatten, und Bitcoin, Ether oder Token sind Vermögen wie Aktien oder Gold. Es kommt nicht darauf an, ob sie auf einer Handelsplattform, in einer App oder in einer Wallet auf einem eigenen Gerät liegen.
Maßgeblich ist der Wert am Stichtag. Für das Endvermögen ist das der Tag, an dem der Scheidungsantrag zugestellt wird § 1384 BGB. Bewertet wird mit dem Verkehrswert an diesem Tag § 1376 Abs. 2 BGB. Für gängige Kryptowerte ist das der Kurs, zu dem sie sich an diesem Tag verkaufen ließen.
Welcher Kurs zählt, wenn der Handel nie schließt?
Es zählt der Kurs am Stichtag, festgehalten mit Uhrzeit und Quelle. Kryptowerte werden rund um die Uhr gehandelt, und einen amtlichen Schlusskurs gibt es nicht. Die Kurse der einzelnen Plattformen weichen außerdem voneinander ab. Bei einer Schwankung von zehn Prozent an einem Tag macht das bei größeren Beständen einen spürbaren Unterschied.
Einigen Sie sich deshalb früh auf eine Quelle, etwa den Kurs der Plattform, auf der die Coins liegen, zu einer festen Uhrzeit. Gelingt das nicht, entscheidet das Gericht, notfalls mit einem Sachverständigen. Bei wenig gehandelten Token kann der Kurs auf dem Bildschirm mehr versprechen, als ein Verkauf tatsächlich einbrächte. Dann zählt der Betrag, der sich am Stichtag realistisch erzielen ließe.
Ein Kursabsturz nach dem Stichtag ändert nichts
Fällt der Kurs nach der Zustellung des Scheidungsantrags, bleibt die Ausgleichsforderung trotzdem nach dem höheren Wert berechnet. Das Gesetz legt den Stichtag bei der Scheidung nicht nur für die Berechnung fest, sondern auch für die Obergrenze der Forderung § 1384 BGB. Steigt der Kurs, profitiert ebenso allein die Seite, der die Coins gehören.
Das Risiko ist bei Kryptowerten größer als bei einem Aktiendepot. Wer viel in Kryptowerten hält, sollte deshalb überlegen, ob er nach dem Stichtag einen Teil verkauft, um die Forderung später bezahlen zu können. Nur in seltenen Ausnahmefällen lässt sich die Zahlung wegen grober Unbilligkeit verweigern § 1381 BGB. Ob ein Kurssturz dafür genügt, hat der Bundesgerichtshof offengelassen; er verweist für solche Fälle auf diese Härteklausel BGH, Urteil vom 4.7.2012, XII ZR 80/10.
Wann eine latente Steuer abgezogen wird
Eine latente Steuer wird abgezogen, wenn ein gedachter Verkauf am Stichtag Steuer auslösen würde. Das gilt nach dem Bundesgerichtshof für alle Vermögenswerte, deren Verkauf Steuern kostet BGH, Urteil vom 2.2.2011, XII ZR 185/08; BGH, Beschluss vom 8.12.2021, XII ZB 402/20.
Bei Kryptowerten im Privatvermögen hängt die Steuer von der Haltedauer ab. Ein Gewinn ist nur steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Coins, die am Stichtag länger als ein Jahr gehalten waren, stehen deshalb ohne Abzug im Endvermögen. Bei jüngeren Käufen wird die Steuer nach dem persönlichen Steuersatz abgezogen. Liegt der Gewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften eines Kalenderjahres unter 1.000 Euro, bis 2023 unter 600 Euro, bleibt er steuerfrei § 23 Abs. 3 Satz 5 EStG. Wer häufig tradet, Staking betreibt oder Coins verleiht, sollte die Steuerfrage von einer Steuerberaterin klären lassen.
Das beschreibt das geltende Recht, Stand Oktober 2026. Das Bundesfinanzministerium plant, Gewinne aus Kryptowerten, die ab 2027 gekauft werden, unabhängig von der Haltedauer zu besteuern. Ältere Bestände sollen nach den bisherigen Regeln bleiben. Beschlossen ist das noch nicht. Kommt die Reform, fällt bei neu gekauften Coins stets eine latente Steuer an.
Was schon vor der Hochzeit da war
Kryptowerte, die Sie in die Ehe mitgebracht haben, stehen mit ihrem damaligen Wert im Anfangsvermögen. Nur der Zuwachs wird ausgeglichen. Bei Bitcoin, die vor Jahren für wenige hundert Euro gekauft wurden, kann dieser Zuwachs allerdings fast den ganzen heutigen Wert ausmachen.
Das Anfangsvermögen müssen Sie beweisen. Fehlt ein gemeinsames Verzeichnis, wird vermutet, dass Ihr ganzes Endvermögen Zugewinn ist § 1377 Abs. 3 BGB. Sichern Sie deshalb die Transaktionshistorie Ihrer Wallets und die Kontoauszüge der Plattformen zum Tag der Hochzeit. Was nach Jahren noch abrufbar ist, hängt vom Anbieter ab. Kryptowerte, die Sie während der Ehe geerbt oder geschenkt bekommen haben, werden mit ihrem Wert beim Erwerb dem Anfangsvermögen hinzugerechnet. Ein späterer Kursanstieg ist Zugewinn § 1374 Abs. 2, § 1376 Abs. 1 BGB.
Scheidungsformular
Die Angaben für den Antrag schon jetzt sammeln
Mit dem Formular tragen Sie zusammen, was das Gericht verlangt. Wir sehen es vor dem Erstgespräch durch.
- Etwa eine halbe Stunde, jederzeit unterbrechen
- Das Formular bleibt auf Ihrem Gerät, bis Sie es senden
- Lücken klären wir im Termin
Wie verborgene Wallets gefunden werden
Verborgene Wallets werden über die Auskunft gefunden. Schon ab der Trennung kann jede Seite von der anderen Auskunft über das Vermögen am Tag der Trennung verlangen § 1379 Abs. 2 BGB. Ist der Scheidungsantrag gestellt, kommt die Auskunft über das Anfangs- und das Endvermögen hinzu, und Belege lassen sich anfordern § 1379 Abs. 1 BGB. Dazu gehören auch Kryptowerte, mit Angabe der Plattform, der Wallet und des Bestands.
Hinweise auf nicht genannte Bestände finden sich oft an anderer Stelle:
- Kontoauszüge mit Überweisungen an Handelsplattformen oder Kartenzahlungen dort,
- gemeinsame Steuererklärungen, in denen Gewinne aus Kryptogeschäften als private Veräußerungsgeschäfte stehen,
- Mails und Apps von Plattformen auf gemeinsam genutzten Geräten, deren Inhalt Sie aber nicht ohne Weiteres auslesen dürfen.
Gibt es konkrete Anhaltspunkte, dass die Auskunft nicht sorgfältig erteilt wurde, kann die andere Seite verlangen, dass sie an Eides statt versichert wird § 260 Abs. 2 BGB. Eine falsche Versicherung ist strafbar. Wie die Auskunft im Einzelnen abläuft, steht unter Auskunft über das Vermögen des Ehegatten: was Ihnen zusteht.
Verschoben, verschenkt, angeblich verloren
Ist das Vermögen am Stichtag geringer als in der Auskunft zum Trennungszeitpunkt angegeben, trägt die Seite, der es gehört, die Beweislast. Sie muss darlegen und beweisen, dass sie nichts verschenkt, verschwendet oder zum Nachteil der anderen beiseitegeschafft hat § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB. Das betrifft Coins, die nach der Trennung auf eine unbekannte Wallet übertragen wurden, ebenso wie den angeblich verlorenen Zugangsschlüssel.
Gelingt das nicht, wird der fehlende Betrag dem Endvermögen hinzugerechnet. Dasselbe gilt für Vermögen, das ein Ehegatte verschenkt, verschwendet oder in der Absicht weggegeben hat, den anderen zu benachteiligen § 1375 Abs. 2 Satz 1 BGB. Wallets, die schon in der Trennungsauskunft fehlen, erfasst diese Regel nicht. Verlangen Sie die Trennungsauskunft deshalb früh, und halten Sie den Bestand am Tag der Trennung selbst fest, mit Bildschirmfotos und den öffentlichen Adressen der Wallets, soweit Sie diese kennen.
Wie der Ausgleich gezahlt wird
Der Ausgleich wird in Geld gezahlt § 1378 Abs. 1 BGB. Die Übertragung bestimmter Gegenstände kann das Familiengericht nur ausnahmsweise anordnen § 1383 BGB. Statt Geld können Sie sich auch auf die Übertragung von Coins einigen. Eine solche Übertragung gilt steuerlich in der Regel als Verkauf und innerhalb der Jahresfrist Steuer auslösen. Klären Sie das vorher.
Wer Kryptowerte aus der Ehe heraushalten will, kann das in einem Ehevertrag regeln, auch nachträglich. Wie das geht, steht unter Gütertrennung oder modifizierte Zugewinngemeinschaft im Ehevertrag. Wie Aktien und Fonds behandelt werden, beschreibt Aktien, Depot und Mitarbeiteraktien im Zugewinnausgleich.
Der nächste Schritt
Fragen des Zugewinns betreut bei uns Rechtsanwalt Dietrich Karcher. Das Erstgespräch kostet bis zu 190 Euro zuzüglich Umsatzsteuer, höchstens 226,10 Euro. Übernehmen wir das Mandat, entfällt der Betrag. Wie sich die weiteren Gebühren berechnen, steht unter Kosten. Einen ersten Überblick gibt unser Zugewinnrechner, den Rahmen beschreibt unsere Seite zum Zugewinnausgleich.
Bringen Sie zum vertraulichen Erstgespräch eine Aufstellung Ihrer Kryptowerte mit, mit Plattform, Wallet und Kaufdatum, dazu Auszüge zum Tag der Hochzeit und zum Tag der Trennung. Wir sagen Ihnen, welcher Wert am Stichtag zählt und welche Belege Sie von der anderen Seite verlangen können.
Dieser Beitrag beschreibt die Regel, nicht Ihren Fall. Was bei Ihnen gilt, hängt an Umständen, die in einem Text nicht vorkommen können. Für eine Einschätzung brauchen wir Ihre Unterlagen und ein Gespräch.
Gehören Bitcoin oder andere Kryptowerte zu Ihrem Vermögen?
60 Minuten, in der Kanzlei oder per Zoom. Sie schildern Ihre Lage, wir sagen Ihnen, was ansteht. Danach müssen Sie uns nicht beauftragen.
Das Erstgespräch kostet nach § 34 RVG höchstens 226,10 Euro einschließlich Umsatzsteuer. Übernehmen wir Ihr Mandat, entfällt der Betrag. Wie sich die Gebühren berechnen
- Krypto im Zugewinn
- Bitcoin
- Wallet

Sie führt einvernehmliche wie streitige Scheidungen und Unterhaltsverfahren und regelt mit der Scheidung auch Sorge und Umgang, immer mit Blick darauf, was das für Ihre Familie im Alltag bedeutet. Zum Profil
