Ehevertrag gestalten und prüfen lassen
Über einen Ehevertrag zu sprechen, fühlt sich für viele Paare an, als wäre das Scheitern schon eingeplant. Ohne Vertrag entscheidet das Gesetz pauschal für alle Ehen gleich, und für manche Lebenslagen passt dieser Standard schlecht. Wir gestalten Eheverträge mit Ihnen und prüfen Entwürfe, die Ihnen vorgelegt werden.
Auf dieser Seite · 9 Abschnitte
Was sich regeln lässt
Die drei Stellschrauben
Ein Ehevertrag greift an drei Stellen ein: beim Güterstand, beim Versorgungsausgleich und beim nachehelichen Unterhalt. Geschlossen werden kann er vor der Ehe, zu ihrem Beginn oder mitten in ihr (§ 1408 BGB).
Beim Güterstand geht es selten darum, ob abgewichen wird, sondern wie weit. Die Gütertrennung schaltet den Zugewinnausgleich vollständig ab. Die modifizierte Zugewinngemeinschaft lässt den Ausgleich im Grundsatz bestehen und nimmt gezielt einzelne Werte heraus, etwa einen Betrieb, eine Praxis oder ein Erbe, oder deckelt die Ausgleichsforderung der Höhe nach (§§ 1408, 1414 BGB).
Der Versorgungsausgleich lässt sich anpassen oder ausschließen, aber nur in Grenzen. Das Familiengericht prüft solche Klauseln und kann sie kippen, wo sie eine Seite in der Altersvorsorge schutzlos stellen (§ 8 VersAusglG). Beim nachehelichen Unterhalt lässt sich die Höhe regeln oder begrenzen; der Betreuungsunterhalt für gemeinsame Kinder bleibt der Gestaltung weitgehend entzogen, denn er dient dem Kind.
Nur beim Notar, und beide gleichzeitig
Ein Ehevertrag muss notariell beurkundet werden, und beide Eheleute müssen dabei gleichzeitig anwesend sein. Sonst ist er unwirksam (§ 1410 BGB). Der Termin beim Notar dauert meist ein bis zwei Stunden.
Der Standard
Vom gesetzlichen Güterstand abweichen
Ohne Vertrag leben Sie in der Zugewinngemeinschaft. Sie ist kein Zwang, sondern der Ausgangspunkt, von dem ein Ehevertrag abweichen darf, ganz oder gezielt. Drei Wege stehen offen.
- Zugewinngemeinschaft, der gesetzliche Standard ohne Vertrag. Jede Seite behält ihr Vermögen, ausgeglichen wird nur der in der Ehe erzielte Zugewinn. Gemeinsames Eigentum entsteht dabei nicht von selbst.
- Gütertrennung, per Vertrag. Sie schaltet den Zugewinnausgleich ganz ab, klar, aber oft grob. Sie trifft die wirtschaftlich schwächere Seite hart und bringt erb- und steuerrechtliche Nachteile mit sich.
- Modifizierte Zugewinngemeinschaft, per Vertrag. Der Ausgleich bleibt im Grundsatz erhalten und nimmt nur einzelne Werte heraus, etwa den Betrieb, oder deckelt die Forderung. Meist die ausgewogenste Lösung.
Im Vergleich
Die drei Güterstände nebeneinander
Der Unterschied zeigt sich zweimal, bei der Scheidung und im Todesfall. Ein Ehevertrag kann beide Fälle getrennt regeln.
| Güterstand | Wie er entsteht | Bei Scheidung | Im Todesfall |
|---|---|---|---|
| Zugewinngemeinschaft | Von selbst, ohne Vertrag | Wer mehr hinzugewonnen hat, zahlt die Hälfte der Differenz (§ 1378 BGB) | Der gesetzliche Erbteil steigt pauschal um ein Viertel der Erbschaft (§ 1371 Abs. 1 BGB), ein Betrag in Höhe des Ausgleichs bleibt erbschaftsteuerfrei (§ 5 ErbStG) |
| Modifizierte Zugewinngemeinschaft | Notarieller Ehevertrag (§ 1410 BGB) | Ausgleich ohne die herausgenommenen Werte oder bis zu einer Obergrenze | Wie in der Zugewinngemeinschaft, wenn der Vertrag nur die Scheidung regelt |
| Gütertrennung | Notarieller Ehevertrag (§§ 1410, 1414 BGB) | Kein Zugewinnausgleich | Kein pauschales Viertel und kein steuerfreier Ausgleichsbetrag (§ 5 ErbStG) |
Die Anlässe
Wann ein Ehevertrag sich lohnt
Nicht jede Ehe braucht einen. Es gibt aber Konstellationen, in denen der gesetzliche Standard schlecht passt und eine klare Regelung beide Seiten schützt.
- Eine Seite führt ein Unternehmen, eine Praxis oder Gesellschaftsanteile
- Größeres Vermögen oder eine Erbschaft soll geschützt bleiben
- Die klassische Alleinverdiener-Ehe, in der eine Seite die Kinder betreut
- Binationale Ehen mit Bezug zu mehreren Rechtsordnungen
- Zweite Ehe, Patchwork, Kinder aus einer früheren Beziehung
- Ein deutliches Einkommens- oder Vermögensgefälle
Ein Entwurf liegt vor
Wenn Ihnen ein Entwurf vorgelegt wird
Der Notar beurkundet den Vertrag und belehrt beide Seiten über seine Tragweite. Einseitig beraten darf er keine Seite, denn er ist zur Unparteilichkeit verpflichtet (§ 14 BNotO). Kommt der Entwurf von der anderen Seite, spricht in diesem Verfahren bisher niemand für Sie.
Wir lesen den Entwurf mit Ihnen gegen Ihre Pläne für Beruf, Kinder und Vermögen. Wir sagen Ihnen, welche Klauseln Sie einseitig belasten, und schlagen Änderungen vor, bevor Sie unterschreiben. Vor der Hochzeit müssen Sie nicht unterschreiben, denn ein Ehevertrag lässt sich auch während der Ehe schließen (§ 1408 BGB).
Anwalt oder Notar?
Den Notar schreibt das Gesetz vor, die anwaltliche Beratung nicht. Stehen beide Seiten wirtschaftlich ähnlich da und behandelt der Vertrag beide gleich, genügt oft der Notar allein.
Die Wirksamkeit
Warum manche Verträge keinen Bestand haben
Deutsche Gerichte segnen Eheverträge nicht blind ab. Nach der Rechtsprechung prüfen sie auf zwei Ebenen: die Wirksamkeit bei Vertragsschluss (§ 138 BGB) und die Ausübung, wenn die Ehe scheitert (§ 242 BGB).
Ein Vertrag wackelt nicht schon deshalb, weil er einer Seite mehr nützt. Kritisch wird es, wenn objektive Einseitigkeit und eine unterlegene Verhandlungsposition zusammenkommen. Der klassische Fall ist der Vertrag, der wenige Tage vor der Hochzeit vorgelegt wird.
Belastbar wird ein Ehevertrag umgekehrt durch beidseitige Beratung, ausreichend Zeit vor dem Termin und eine erkennbare Kompensation für die Seite, die zurücksteht. Für die Unternehmerehe hat der Bundesgerichtshof 2025 bestätigt, dass der Ausschluss des Zugewinnausgleichs nicht schon für sich genommen sittenwidrig ist (XII ZB 395/24). Entscheidend bleibt, ob eine Seite bei Vertragsschluss unterlegen war.
Ein Vertrag gehört Monate vor die Hochzeit
Nicht in die Woche davor. Genau diese Zeit macht ihn später belastbar, weil sie den Vorwurf entkräftet, er sei unter Druck zustande gekommen. Aus demselben Grund hält ein Vertrag mitten in der Ehe oft besser als einer kurz vor der Hochzeit.
Die Kosten
Was ein Ehevertrag kostet
Die Notarkosten sind gesetzlich geregelt und richten sich nach dem Vermögenswert, den der Vertrag regelt (GNotKG). Frei verhandelbar sind sie nicht. Dazu kommt das Honorar für Beratung und Entwurf. Ihre konkrete Gebühr klären wir im Erstgespräch.
Weil sich Lebensverhältnisse ändern, lohnt ein zweiter Blick auf den Vertrag nach größeren Einschnitten: der Geburt eines Kindes, einer Betriebsübernahme, einem Umzug ins Ausland.
Rechtsstand Juli 2026. Die Paragrafen stehen im BGB, im Versorgungsausgleichsgesetz und im GNotKG.
Ehevertrag-Formular
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Zum Nachlesen
Was ein Ehevertrag im Einzelnen regelt
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Der erste Schritt
Ein Termin ist keine Entscheidung
Ein Ehevertrag berührt zwei sehr verschiedene Felder, und hier sind sie auf zwei Personen verteilt. Güterstand, Betriebsvermögen und Immobilien übernimmt Rechtsanwalt Dietrich Karcher; er beurteilt eine Klausel auch danach, ob sie sich in zehn Jahren noch rechnen lässt. Für Versorgungsausgleich, Unterhalt und alles, was Kinder betrifft, ist Rechtsanwältin Mieke Karcher zuständig.
Bestehende Verträge prüfen wir auf ihre Belastbarkeit, auch solche, die im Ausland geschlossen wurden. Die Beurkundung nimmt ein Notar vor; wir bereiten sie vor und begleiten Sie dorthin. Nach dem ersten Gespräch müssen Sie uns nicht beauftragen.
Das Erstgespräch kostet nach § 34 RVG höchstens 226,10 Euro einschließlich Umsatzsteuer. Übernehmen wir Ihr Mandat, wird der Betrag auf die weiteren Gebühren angerechnet. Wie sich die Gebühren berechnen