Glossar
Fachbegriffe rund um die Scheidung,verständlich erklärt
Das Familienrecht ist voller Fachwörter. Hier finden Sie die wichtigsten kurz und allgemeinverständlich erläutert. Im Zweifel beantworten wir Ihre Frage gern persönlich.
Grundlagen
Ablauf und Grundlagen
Anwaltszwang
Vor dem Familiengericht muss sich zumindest die antragstellende Person anwaltlich vertreten lassen; den Scheidungsantrag können Sie nicht selbst stellen. Bei einvernehmlicher Scheidung genügt häufig, dass nur diese eine Seite vertreten ist; die andere stimmt dem Antrag zu. Eine Anwältin vertritt dabei immer nur eine Seite, nie beide.
einvernehmliche Scheidung
Beide Eheleute wollen die Scheidung und sind sich über die wesentlichen Folgen, Unterhalt, Vermögen, Kinder, einig oder nahe daran. Das macht das Verfahren schneller, günstiger und konfliktärmer. Mehr dazu
gewöhnlicher Aufenthalt
Der Ort, an dem der Lebensmittelpunkt einer Person tatsächlich liegt. Er bestimmt u. a., welches Familiengericht örtlich zuständig ist, nicht der Wohnsitz laut Melderegister. Mehr dazu
Härtefallscheidung
Ausnahmsweise kann eine Ehe schon vor Ablauf des Trennungsjahres geschieden werden, wenn das Festhalten an der Ehe für einen Partner unzumutbar hart wäre, etwa bei Gewalt oder schwerer Bedrohung. Mehr dazu
Trennungsjahr
In der Regel müssen Eheleute ein Jahr getrennt leben, bevor die Scheidung eingereicht werden kann: Nachweis dafür, dass die Ehe gescheitert ist. Eine Trennung ist auch innerhalb derselben Wohnung möglich. Mehr dazu
Verbundverfahren
Die Scheidung und ihre Folgesachen (z. B. Versorgungsausgleich oder Unterhalt) werden vom Gericht gemeinsam in einem Verfahren verhandelt und entschieden. Das Verfahren heißt dann „Verbund“.
Zerrüttungsprinzip
Das deutsche Scheidungsrecht fragt nicht nach Schuld, sondern nur danach, ob die Ehe gescheitert (zerrüttet) ist. Wer die Trennung verursacht hat, spielt für die Scheidung selbst keine Rolle.
Kosten
Kosten
Beratungshilfe
Staatliche Hilfe für die Beratung außerhalb eines Gerichtsverfahrens, beantragt beim Amtsgericht am Wohnort. Sie deckt das Erstgespräch und die außergerichtliche Vertretung ab, wenn Einkommen und Vermögen dafür nicht reichen. Für das Verfahren selbst greift stattdessen die Verfahrenskostenhilfe. Mehr dazu
Verfahrenskostenhilfe
Staatliche Unterstützung, die die Kosten eines Familienverfahrens ganz oder teilweise übernimmt, wenn das eigene Einkommen und Vermögen dafür nicht ausreichen. Sie wird beim Gericht beantragt (früher: Prozesskostenhilfe). Mehr dazu
Verfahrenswert
Der rechnerische Wert, nach dem sich die Gerichts- und Anwaltsgebühren bemessen. Im Scheidungsverfahren wird er vor allem aus dem Nettoeinkommen beider Eheleute und dem Vermögen abgeleitet. Er ist kein Betrag, den jemand zahlt. Mehr dazu
Vermögen
Vermögen und Wohnen
Anfangs- und Endvermögen
Die beiden Stichtagswerte, aus denen sich der Zugewinn errechnet. Das Anfangsvermögen ist der Stand bei der Eheschließung, das Endvermögen der Stand bei Zustellung des Scheidungsantrags (§§ 1374, 1375, 1384 BGB). Was dazwischen liegt, ist der Zugewinn. Erbschaften und Schenkungen rechnet das Gesetz dem Anfangsvermögen zu, auch wenn sie erst während der Ehe anfallen. Mehr dazu
Ausgleichsforderung
Der Betrag, der am Ende des Zugewinnausgleichs tatsächlich zu zahlen ist. Wer den höheren Zugewinn erzielt hat, schuldet der anderen Seite die Hälfte des Überschusses (§ 1378 BGB). Es handelt sich um eine Geldforderung. Gegenstände wechseln dadurch nicht den Eigentümer. Mehr dazu
Ehewohnung
Die von den Eheleuten gemeinsam genutzte Wohnung oder Immobilie. Bei Trennung kann das Gericht regeln, wer vorübergehend darin bleibt, unabhängig davon, wem sie gehört. Mehr dazu
Güterstand
Die rechtliche Regelung, wie das Vermögen der Eheleute behandelt wird. Ohne Ehevertrag gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft; durch Ehevertrag sind Gütertrennung oder Gütergemeinschaft möglich. Mehr dazu
Hausrat
Die gemeinsamen Gegenstände des Haushalts: Möbel, Geräte, Einrichtung. Bei Trennung und Scheidung werden sie zwischen den Eheleuten aufgeteilt; nötigenfalls entscheidet das Gericht nach Billigkeit. Mehr dazu
Inhaltskontrolle
Die gerichtliche Prüfung, ob ein Ehevertrag oder eine Scheidungsfolgenvereinbarung Bestand hat. Sie läuft in zwei Stufen. Zuerst steht die Frage, ob der Vertrag schon bei Abschluss eine Seite einseitig belastete; danach, ob die Berufung darauf heute noch redlich wäre. Verträge, die den Kindesunterhalt oder den Betreuungsunterhalt vollständig abschneiden, halten dieser Prüfung selten stand. Mehr dazu
latente Steuern
Die Steuerlast, die in einem Vermögensgegenstand steckt, aber noch nicht angefallen ist. Bei der Bewertung im Zugewinnausgleich wird sie abgezogen, soweit sie bei einer gedachten Veräußerung entstünde, etwa bei einer Praxis oder einem Unternehmensanteil. Der Abzug verändert den Wert oft deutlich. Mehr dazu
notarielle Beurkundung
Bestimmte Vereinbarungen werden erst wirksam, wenn ein Notar sie beurkundet: er liest den Vertrag vor, klärt auf und bestätigt ihn amtlich. Das schützt beide Seiten vor übereilten oder unklaren Regelungen. Mehr dazu
Nutzungsentschädigung
Der Ausgleich dafür, dass eine Seite die gemeinsame Wohnung nach der Trennung allein nutzt. Der ausgezogene Ehegatte kann sie verlangen (§ 1361b BGB), allerdings erst ab dem Zeitpunkt, zu dem er sie fordert; rückwirkend gibt es sie in aller Regel nicht. Ihre Höhe orientiert sich an der ortsüblichen Miete, gemindert um die weiterlaufenden Lasten. Mehr dazu
Scheidungsfolgenvereinbarung
Ein Vertrag, in dem die Eheleute die Folgen der Scheidung einvernehmlich selbst regeln, statt sie dem Gericht zu überlassen. Beispiele sind Unterhalt, Vermögensaufteilung oder Versorgungsausgleich. Häufig notariell zu beurkunden. Mehr dazu
Teilungsversteigerung
Die Versteigerung einer gemeinsamen Immobilie, wenn sich die Eigentümer über Verkauf oder Übernahme nicht einigen. Jeder Miteigentümer kann sie beim Amtsgericht beantragen (§ 180 ZVG). Sie ist der letzte Weg und meist der teuerste, weil der Erlös regelmäßig unter dem Verkehrswert bleibt. Mehr dazu
Versorgungsausgleich
Die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften beider Partner werden bei der Scheidung hälftig geteilt, damit beide im Alter abgesichert sind. Das Gericht ordnet ihn in der Regel von Amts wegen an. Mehr dazu
Wohnvorteil
Der geldwerte Vorteil dessen, der mietfrei in der eigenen Immobilie wohnt. Beim Unterhalt wird er dem Einkommen zugerechnet, weil ersparte Miete wie Einkommen wirkt. Im Trennungsjahr zählt zunächst nur der angemessene Wohnwert, also das, was für eine dem Bedarf entsprechende Wohnung anfiele; später der volle Mietwert. Mehr dazu
Zugewinnausgleich
Bei einer Scheidung wird der während der Ehe erwirtschaftete Vermögenszuwachs (der „Zugewinn“) zwischen den Eheleuten hälftig ausgeglichen, nicht das Vermögen selbst, sondern dessen Wachstum. Mehr dazu
Rente
Rente und Vorsorge
Anrecht
Ein einzelner Anspruch auf Versorgung, den ein Ehegatte während der Ehe aufgebaut hat. Gesetzliche Rente, Betriebsrente, Beamtenversorgung und private Rentenversicherung sind je ein eigenes Anrecht, und jedes wird im Versorgungsausgleich für sich geteilt. Mehr dazu
Ehezeit
Der Zeitraum, der im Versorgungsausgleich geteilt wird. Er beginnt am Ersten des Monats der Eheschließung und endet am Letzten des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags (§ 3 VersAusglG). Was davor oder danach aufgebaut wurde, bleibt außen vor. Mehr dazu
interne und externe Teilung
Die beiden Wege, ein Anrecht zu teilen. Bei der internen Teilung entsteht für die ausgleichsberechtigte Person ein eigenes Anrecht beim selben Versorgungsträger, das ist der Regelfall. Bei der externen Teilung wandert der Wert zu einem anderen Träger, etwa wenn der Betrieb das verlangt. Mehr dazu
Kontenklärung
Die Klärung des Versicherungskontos bei der Deutschen Rentenversicherung, ohne die sich der Versorgungsausgleich nicht rechnen lässt. Fehlen dort Ausbildungs-, Kindererziehungs- oder Auslandszeiten, bleibt die Auskunft unvollständig und das Verfahren wartet. Dieser Schritt dauert häufig länger als alles andere an einer einvernehmlichen Scheidung. Mehr dazu
Unterhalt
Unterhalt
Düsseldorfer Tabelle
Eine bundesweit anerkannte Richttabelle für die Höhe des Kindesunterhalts, gestaffelt nach Einkommen des Zahlenden und Alter des Kindes. Sie ist kein Gesetz, wird aber von den Gerichten als Leitlinie verwendet und jährlich aktualisiert. Mehr dazu
ehebedingter Nachteil
Der wirtschaftliche Nachteil, der einer Seite durch die Rollenverteilung in der Ehe geblieben ist, etwa durch aufgegebene Berufstätigkeit für die Kinderbetreuung. Er ist der Maßstab dafür, ob nachehelicher Unterhalt befristet oder der Höhe nach begrenzt wird (§ 1578b BGB). Wer sich darauf beruft, muss den Nachteil belegen können, und daran scheitert es im Verfahren häufiger als an der Rechtslage. Mehr dazu
Ehegattenunterhalt
Oberbegriff für den Unterhalt zwischen Eheleuten. Er umfasst den Trennungsunterhalt (während der Trennung) und den nachehelichen Unterhalt (nach rechtskräftiger Scheidung). Mehr dazu
Erwerbstätigenbonus
Ein Abschlag vom Erwerbseinkommen, bevor der Ehegattenunterhalt daraus berechnet wird. Er soll den Anreiz erhalten, erwerbstätig zu bleiben, und senkt im Ergebnis die Bemessungsgrundlage. Seine Höhe ergibt sich aus den Leitlinien der Oberlandesgerichte und fällt regional unterschiedlich aus. Mehr dazu
Kindesunterhalt
Der Unterhaltsanspruch des Kindes. Wer das Kind betreut, leistet seinen Beitrag durch die Betreuung; der andere Elternteil zahlt Barunterhalt, dessen Höhe sich meist nach der Düsseldorfer Tabelle richtet. Mehr dazu
Mangelfall
Die Lage, in der das Einkommen nicht für alle Unterhaltsansprüche und den Selbstbehalt zugleich reicht. Dann greift die gesetzliche Rangfolge des § 1609 BGB, an deren Spitze minderjährige Kinder stehen, gefolgt von betreuenden Elternteilen und langjährig verheirateten Ehegatten. Was danach übrig bleibt, wird nach Quoten verteilt. Mehr dazu
nachehelicher Unterhalt
Unterhalt nach rechtskräftiger Scheidung. Er ist die Ausnahme: Grundsätzlich muss jeder für sich selbst sorgen; er kommt nur bei bestimmten Gründen in Betracht, etwa Kinderbetreuung, Alter oder Krankheit. Mehr dazu
Realsplitting
Die steuerliche Möglichkeit, gezahlten Ehegattenunterhalt als Sonderausgabe abzusetzen. Der Empfänger muss zustimmen und versteuert die Zahlung dann selbst, weshalb der Zahlende ihm den daraus entstehenden Nachteil ersetzt. Erklärt wird die Zustimmung Jahr für Jahr mit der Anlage U. Mehr dazu
Selbstbehalt
Der Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen für den eigenen Lebensunterhalt bleiben muss. Gegenüber minderjährigen Kindern fällt er niedriger aus als gegenüber erwachsenen Berechtigten, und wer erwerbstätig ist, behält mehr. Die Beträge stehen in der Düsseldorfer Tabelle und ändern sich jährlich. Mehr dazu
Trennungsunterhalt
Unterhalt, den der wirtschaftlich stärkere Ehegatte ab der Trennung bis zur rechtskräftigen Scheidung zahlt, wenn der andere seinen Bedarf nicht selbst decken kann. Mehr dazu
Kinder
Kinder
Aufenthaltsbestimmungsrecht
Der Teil des Sorgerechts, der bestimmt, wo das Kind lebt. Bei gemeinsamem Sorgerecht entscheiden die Eltern gemeinsam; in Konfliktfällen kann das Gericht dieses Recht einem Elternteil allein übertragen. Mehr dazu
Sorgerecht
Das Recht und die Pflicht, für ein Kind zu sorgen und über wichtige Dinge zu entscheiden: Wohnort, Schule, Gesundheit, Vermögen. Nach einer Trennung bleibt es in aller Regel bei beiden Eltern gemeinsam. Mehr dazu
Umgangsrecht
Das Recht des Kindes und des nicht betreuenden Elternteils auf regelmäßigen persönlichen Kontakt. Es besteht unabhängig vom Sorgerecht; können sich die Eltern nicht einigen, regelt es das Gericht. Mehr dazu
Wechselmodell
Ein Betreuungsmodell, bei dem das Kind etwa zu gleichen Teilen bei beiden Eltern lebt, im Unterschied zum Residenzmodell, bei dem es einen festen Hauptwohnsitz hat. Es wirkt sich auch auf den Unterhalt aus. Mehr dazu
International
Fälle mit Auslandsbezug
Anknüpfung
Der Schritt, mit dem sich entscheidet, welches nationale Recht auf eine Frage angewendet wird. Für die Scheidung arbeitet die Rom-III-Verordnung dafür mit einer Leiter. Zuerst zählt der gemeinsame gewöhnliche Aufenthalt beider Eheleute, dann der letzte gemeinsame, danach die gemeinsame Staatsangehörigkeit. Auf welcher Stufe ein Paar landet, entscheidet über das anwendbare Scheidungsrecht. Mehr dazu
Apostille und Legalisation
Zwei Wege, eine ausländische Urkunde in Deutschland verwendbar zu machen. Die Apostille ist der kurze Weg zwischen den Staaten des Haager Übereinkommens von 1961, ein Bestätigungsvermerk der Behörde im Ausstellungsstaat. Fehlt dieses Abkommen, tritt die Legalisation an ihre Stelle, bei der die deutsche Auslandsvertretung die Urkunde bestätigt. Der Unterschied kostet vor allem Zeit, und die fehlt am Ende meist beim Gerichtstermin. Mehr dazu
Forum
Das Gericht, vor dem ein Verfahren läuft, und bei Auslandsbezug zugleich die Frage, welches Land überhaupt entscheiden darf. Weil jedes Gericht sein eigenes Kollisionsrecht anwendet, bestimmt das Forum mittelbar auch das anwendbare Recht. Deshalb kommt es darauf an, wer zuerst und wo einreicht. Mehr dazu
Kollisionsrecht
Das Regelwerk, das bei einem Fall mit Auslandsbezug bestimmt, welches nationale Recht gilt. Es entscheidet die Sache nicht selbst. Es verweist auf eine Rechtsordnung, und erst die beantwortet dann die eigentliche Frage. Für die Scheidung steht es in der Rom-III-Verordnung, für Unterhalt und Güterrecht in eigenen europäischen Verordnungen. Mehr dazu
Rechtswahl
Die Möglichkeit, das anwendbare Recht vorab selbst zu bestimmen, statt es der Anknüpfung zu überlassen. Für die Scheidung erlaubt die Rom-III-Verordnung das in engen Grenzen, etwa das Recht des gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalts oder das Heimatrecht eines Ehegatten. In Deutschland ist die Vereinbarung notariell zu beurkunden. Mehr dazu
Restzuständigkeit
Die deutsche Zuständigkeit für den Fall, dass sich aus den europäischen Regeln kein zuständiges Gericht ergibt. § 98 FamFG springt dann ein, etwa wenn ein Ehegatte Deutscher ist. Ohne diese Auffangregel gäbe es Konstellationen, in denen ein Paar nirgends geschieden werden könnte. Mehr dazu
Kontakt
Ein Begriff fehlt oder bleibt unklar?
Wählen Sie den Weg, der sich für Sie richtig anfühlt, wir antworten persönlich, meist innerhalb eines Werktags.