Ratgeber
Verfahren
Online-Scheidung oder persönlich?
„Online-Scheidung“ klingt nach einem schnelleren, günstigeren Sonderweg, ist aber keiner. Es bleibt eine ganz normale Scheidung mit Anwalt; nur die Wege dorthin laufen digital statt vor Ort.
Karcher Rechtsanwälte in Frankfurt am Main, mit Schwerpunkt auf einvernehmlicher Scheidung und internationalem Familienrecht. Beratung auf Deutsch, Englisch und Spanisch.
Teil unseres Leitfadens Wie läuft eine Scheidung ab?„Online-Scheidung“ ist kein eigenes Verfahren
Der Begriff führt leicht in die Irre. Es gibt im deutschen Recht keine eigene „Online-Scheidung“ mit eigenen Regeln. Gemeint ist eine ganz normale Scheidung, nur wird die Zusammenarbeit mit der Kanzlei digital abgewickelt.
Konkret heißt das: Mandatserteilung, Austausch der Unterlagen und die laufende Kommunikation erfolgen online, per E-Mail oder telefonisch statt im Büro vor Ort. Das Verfahren selbst, das materielle Recht und die Rolle des Anwalts bleiben dieselben wie bei jeder anderen Scheidung.
Online ist kein eigener Sonderweg durch das Gesetz; es ist lediglich ein anderer Weg zu uns.
Der Gerichtstermin bleibt persönlich
Der wichtigste Punkt, den viele unterschätzen: Auch bei digitaler Abwicklung findet der gerichtliche Scheidungstermin statt. Beide Ehegatten müssen dazu grundsätzlich persönlich vor dem Familiengericht erscheinen und werden persönlich angehört (§ 128 FamFG).
Das Gericht will sich selbst ein Bild machen, ob die Ehe gescheitert ist (§ 1565 BGB) und beide die Scheidung wollen. Diese Anhörung lässt sich nicht durch Formulare ersetzen. Eine Scheidung „komplett online, ganz ohne Gerichtstermin“ gibt es im Regelfall daher nicht.
Digital läuft also nur die Vorbereitung, während der Termin selbst unverändert bleibt. Was Sie online sparen, sind Wege und Korrespondenzzeit bis dahin; der Gang zum Gericht entfällt dadurch nicht.
Gleiches Recht, gleiche Kosten
Auch rechtlich und finanziell ändert die Form nichts an den Grundlagen.
Es gilt derselbe Anwaltszwang (§ 114 FamFG): Den Scheidungsantrag kann nur stellen, wer anwaltlich vertreten ist, online wie offline. Und es gilt dasselbe materielle Recht; eine digitale Abwicklung macht keine Voraussetzung leichter oder schwerer.
Die Kosten richten sich identisch nach dem Verfahrenswert (FamGKG) und dem RVG. Eine Online-Scheidung ist deshalb nicht per se billiger. Sie kann Wege und Zeit sparen; die gesetzlichen Gebühren bleiben gleich.
Wann ist eine Online-Scheidung sinnvoll?
Für viele Mandantinnen und Mandanten ist die digitale Form spürbar bequemer. Ihre Stärken zeigen sich vor allem dort, wo die Sache klar ist.
- Ortsunabhängig und flexibel: Sie regeln alles von zu Hause aus, ohne Termine im Büro.
- Schnelle Kommunikation: Unterlagen und Rückfragen laufen direkt, ohne Postwege.
- Gut für unkomplizierte, einvernehmliche Fälle: Wenn Einigkeit besteht und keine strittigen Folgesachen anstehen.
- Praktisch für im Ausland lebende Mandanten: Die Vorbereitung gelingt unabhängig vom Wohnort.
Gerade die Kombination aus Einvernehmen und einfacher Vermögenslage macht den digitalen Weg attraktiv: Hier gibt es wenig zu besprechen, was sich nicht ebenso gut schriftlich oder telefonisch klären lässt.
Wann ist persönliche Beratung sinnvoller?
So praktisch die digitale Form ist: Es gibt Konstellationen, in denen ein persönliches Gespräch klar im Vorteil ist. Vielschichtige oder konfliktbehaftete Fälle leben von Nachfragen, Zwischentönen und gemeinsamer Klärung am Tisch.
- Bei Streit zwischen den Ehegatten oder absehbar widerstreitenden Interessen.
- Bei hohem oder verschachteltem Vermögen, etwa Immobilie, Unternehmen oder Beteiligungen.
- Bei offenen Unterhalts- oder Sorgerechtsfragen.
- Bei internationalem Bezug, etwa Wohnsitz oder Staatsangehörigkeit im Ausland.
- Wenn Sie ein vertrauliches, klärendes Gespräch wünschen, um Ihre Lage in Ruhe einzuordnen.
Unterlagen in einer Scheidung enthalten sensible persönliche und finanzielle Daten. Bei digitaler Übermittlung sollten Sie deshalb auf sichere Kanäle achten und solche Dokumente nicht ungeschützt verschicken.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
Die Wahl zwischen online und persönlich ist keine Frage von „modern“ gegen „altmodisch“ und kein Marketingversprechen. Sie hängt schlicht davon ab, wie Ihr Fall liegt und was Ihnen wichtig ist.
Ist die Sache einvernehmlich und überschaubar, spart der digitale Weg Zeit und Wege. Geht es um Streit, größere Werte oder einfach um das Bedürfnis nach einem persönlichen Gegenüber, ist das Gespräch vor Ort die bessere Grundlage. Wir bieten Ihnen beide Wege an und sagen Ihnen offen, welcher für Ihren Fall sinnvoller ist. Die Entscheidung treffen Sie, und Sie müssen sie nicht zu Beginn treffen: Viele fangen digital an und kommen für das Gespräch über die Folgesachen dann doch in die Kanzlei.
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Was beim digitalen Weg konkret online läuft und wo die Grenze verläuft, steht unter Online-Scheidung. Sind Sie sich einig, lohnt zusätzlich der Blick auf die einvernehmliche Scheidung; dort steht auch, was sich vorab regeln lässt und in welcher Form.
Zum Gerichtstermin, der in beiden Fällen persönlich stattfindet: Scheidungstermin: der Ablauf vor Gericht. Ob der digitale Weg das Verfahren beschleunigt, rechnet Wie lange dauert eine Scheidung? durch. Und dass der Kanzleisitz für die Zuständigkeit ohnehin keine Rolle spielt, erklärt Muss mein Scheidungsanwalt in meiner Stadt sitzen?.
Welcher Weg zu Ihrem Fall passt, sagen wir Ihnen im Erstgespräch, und wechseln lässt er sich jederzeit. Termine finden in der Frankenallee in Frankfurt-Gallus oder per Video statt, auf Wunsch auf Deutsch, Englisch oder Spanisch.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Genannte Gesetze, Fristen und Beträge geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich ändern. Eine verbindliche Einschätzung erhalten Sie erst in einem persönlichen Mandatsgespräch.
